Am 30.08.2026 startete Tilo im japanischen Niseko bei der Grandfondo-Weltmeisterschaft in der Altersklasse Master 55-59 über 140km und 2350 Höhenmeter und erreichte Platz 115. Hier sein Bericht:
Der Traum von der Weltmeisterschaft auf dem Rennrad wurde im japanischen Niseko endlich Realität. Die Bedingungen waren perfekt. Ebenso die Anspannung und der Respekt, wissend dass die Strecke für meine Möglichkeiten zu lang und zu schwer ist. Mit dem Startschuss wurde direkt zügig gefahren und über alle Wellen sehr ordentlich gedrückt. Nach etwa 15 Kilometern folgte der erste Realitätscheck: Ein über sechs Kilometer langer, zäher Anstieg stand im Streckenplan. Hier sortierte sich das Feld sofort und zerbrach in mehrere Gruppen. Ich musste schnell einsehen, dass die gegenwärtigen Wattzahlen meine Batterie zu stark beanspruchen würden und verabschiedete mich vom Feld, in dem es um Spitzenplatzierungen ging. Ab jetzt zählte nur noch eines: Eine kluge Renneinteilung im Rahmen meiner Möglichkeiten, die ich einzuschätzen wusste.
Wenige Kilometer nach der ersten langen Abfahrt zahlte sich die Geduld aus. Es formierte sich eine größere Gruppe, mit der ich sicher über die erste große Schleife des Rennens rollen konnte. Die Zusammenarbeit funktionierte gut, bis etwa zehn Kilometer vor dem großen Scharfmacher des Tages Unruhe aufkam: Die Spitzenreiterin -im Solo- und kurz darauf folgend das Frauen-Elitefeld, fuhren von hinten auf uns auf. Das sorgte sofort für eine Tempoverschärfung und Unruhe im Feld. Motivierte „Senioren“ die meinten, mit den top-trainierten Rennerinnen mitmischen zu können. Tzzzz …
Dann lag er vor uns, der Lange. 20 Kilometer hinauf zur Niseko Panorama Line. Mein Plan stand fest: Rhythmus finden, die Kräfte dosieren und nicht überziehen. Schließlich wusste ich, dass diese 20 Kilometer bergauf noch lange nicht das Ende der Kletterei bedeuteten.
Bei Kilometer 80 versorgt mich Krystyna, meine mitgereiste beste Freundin, mit Getränken und reichlich Gel-Nachschub. Kurz darauf zwang mich ein kurzer Zwischenstopp dazu meine Gruppe ziehen zu lassen. Ein Rückschlag? Kaum, denn an einem solchen Berg gilt ohnehin das Gesetz: Hoch muss jeder selber fahren. Ich fand meinen Tritt wieder, genoss zwischendurch die herrliche Aussicht der Panorama Line und stellte beruhigt fest, dass die Zeitlimits zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr darstellten.
Es folgte eine lange, schnelle Abfahrt. Obwohl ich mich selbst eher als vorsichtigen Abfahrer einschätze, rollte ich sogar auf einige Konkurrenten auf. Und dann schlug die Stunde meiner Renneinteilung. Für die letzten 30 Kilometer – gespickt mit zwei fiesen Wellen und einem weiteren 5,5 Kilometer langen Anstieg – hatte ich mir die Körner perfekt aufgespart. Während andere litten, lief es bei mir richtig gut. Kurz vor der letzten Kuppe fuhr ich auf eine junge Fahrerin aus Chile auf. Wir harmonierten sofort perfekt und machten für das Finale gemeinsame Sache: In den schnellen Abfahrten und Flachstücken spannte sie sich davor, während ich das Tempo über die Wellen bis zum Schlussanstieg drückte. Ein echtes WM-Teamwork auf den letzten 15 Kilometern.
Als der Teufelslappen – der rote Wimpel für den letzten Kilometer – in Sicht kam und der Blick auf den Radcomputer fiel, war klar: Es wird eine Zeit unter 5 Stunden. Mich überwältigten die Emotionen und ich fühlte mich ob des Gedankens der Teilnahme an der WM im Nationaltrikot berührt. Im Vorfeld hatte ich verhalten mit einer Zeit zwischen 5:20 und 5:30 Stunden gerechnet. Meine eigene Prognose hatte ich damit deutlich unterboten – und das Schönste war: Ich kam glücklich, erfüllt und keineswegs völlig ausgelaugt an.
Die Höhenmeter resultieren aus 13 Anstiegen. Ich bin sie gefahren mit einer Quali in der Tasche, Trainingsstunden in den Beinen und Unterstützung im Rücken. Das Gefühl, eine Weltmeisterschaft im Nationaltrikot gefahren zu sein, die eigene Strategie perfekt umgesetzt zu haben und mit so viel Freude zu finishen, ist nunmehr ein Teil meiner persönlichen Geschichte.
Allem voran danke ich meiner besten Freundin für den Raum, den sie mir für ein solches Erlebnis gibt und einfach für mich da ist wenn’s drauf ankommt. Sogar für das Rennen in Japan kurz mal eben eingeflogen …
Meinem verrückten (Sport-) Freund aus meiner Heimatstadt an dessem Hinterrad ich so manche Stunde verbracht habe und der unerschöpflich mit Expertise meine Motivation zu pushen versteht.
Nicht zuvergessen sei mein Verein, der mich mit dem zweifelsfrei schönsten Trikot „Team Germany“ unterstützt hat.
Tilo / Dessauer RC




















